
Die Zeitarbeit wurde, wie so Vieles, im Land der unbegrenzten Möglichkeiten – Amerika erfunden. Zwei Anwälte aus Milwaukee suchten händeringend Ersatz für eine Sekretärin. Dabei merkten die beiden, dass es in vielen Firmen Engpässe beim Personal gab – die Lösung: Zeitlich befristete Überlassung von Arbeitskräften. Die Idee war geboren. Sie gründeten das erste Zeitarbeitsunternehmen – man schrieb das Jahr 1948.
Fahrrad und Telefonzelle
1960 eröffnete Frits Goldschmeding das „Uitzendbureau Amstelveen“ in Amsterdam. Er und sein Studienfreund gründeten die Firma noch während ihres Wirtschaftsstudiums und betrieben sie von Goldschmedings Küchentisch aus. Ausgestattet mit einem Fahrrad, ihrem Knowhow und einigen Flyern, die Werbung für ihr Unternehmen machen sollten, machten sie ihre ersten Schritte auf dem Gebiet der Zeitarbeit. Der Radius, in dem die beiden agierten, war gerade mal so groß, dass man alle Kunden bequem mit dem Fahrrad erreichen konnte. Telefonate erledigten die beiden von einer Telefonzelle aus. Ihr erster Auftrag kam vom Automobilkonzern FIAT, der eine zweisprachige Sekretärin suchte. Der erste Zeitarbeitnehmer war erfolgreich vermittelt. Ende des Jahres 1960 verzeichneten die Geschäftspartner einen Umsatz von neun Gulden – umgerechnet ca. zwei Euro.
Nach einigen Jahren war die Firma so erfolgreich, dass das Büro in die nächste größere Stadt zog, Rotterdam. Es wurde beschlossen, den Namen „Uitzendbureau Amstelveen“ in „Uitzendbureau Randstad“ umzuändern. Dabei ist Randstad die Bezeichnung für das Ballungsgebiet Rotterdam, Amsterdam, Utrecht und Den Haag. Im Jahr 1966 wurde erstmals über ein Randstad Logo diskutiert. Unternehmensgründer Frits Goldschmeding stellte sich ein einfaches, rundes Symbol vor – weil rund sympathisch und freundlich ist.
Weil es aber schon so viele simple Symbole gab, wurde für das Wort „Randstad“ eine spezielle stilisierte Buchstabenvariante ausgesucht. Der Anfangsbuchstabe „R“ wurde als Kleinbuchstabe für das Logo verwendet. Das Hinzufügen des gespiegelten kleinen „Rs“ gab dem Logo jedoch erst die richtige „Ausgewogenheit“ und visualisiert bis heute, dass Randstad ein Bindeglied zwischen Zeitarbeitnehmer und Kundenunternehmen ist. Eine weitere positive Assoziation soll dadurch ausgelöst werden, dass man in dem Logo jemanden sieht, der einen mit offenen Armen willkommen heißt.
Zeitarbeit in den Kinderschuhen
Im Jahr 1962 wird das erste Zeitarbeitsbüro in Deutschland eröffnet. Es dauert aber noch bis zum Jahr 1968 bis zur ersten Randstad Niederlassung. Am 1. Juni 1968 soll es losgehen. Die Stadt Düsseldorf ist auserkoren, das erste Büro von Randstad in Deutschland zu beherbergen. Das gelingt aber nicht ohne Komplikationen. Werner Then, langjähriger Geschäftsführer bei Randstad, macht sich damals, man könnte sagen als Pionier, auf nach Deutschland. Als er am ersten Arbeitstag seinen Dienst antreten will, traut er seinen Augen kaum: Im ganzen Büro gibt es weder Möbel noch Telefonanschlüsse und die erste und einzige Disponentin war nicht zum Dienst erschienen.
So musste Werner Then beim Start des Unternehmens tief in die Trickkiste greifen. Er mietete einen Telefonplatz im Düsseldorfer Postamt, fungierte als Buchhalter, Disponent und Akquisiteur. Mit einer Disponentin aus Holland wurde dann die erste Randstad Niederlassung mit etwas Verspätung im November eröffnet. Im Dezember folgte die zweite in Frankfurt. Vier Jahre später griff der Gesetzgeber in den Handlungsspielraum der Zeitarbeit ein und verabschiedete das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz, um Zeitarbeitnehmern einen sozialen Mindestschutz zu gewährleisten. Die maximale Überlassungsdauer wurde auf drei Monate festgelegt.
Mehr Raum zum Atmen
In den folgenden Jahren wurde den Zeitarbeitsfirmen immer mehr Handlungsfreiheit eingeräumt. Die maximale zulässige Einsatzdauer wurde schrittweise erhöht. Nach dem Fall der Mauer wurde im Jahr 1995 die erste Randstad Niederlassung in den neuen Bundesländern eröffnet. Im Jahr 1997 kämpft sich die Randstad Zeitarbeit an die Spitze und wird mit rund 184 Millionen Euro Umsatz deutscher Marktführer. Im selben Jahr bekam das Unternehmen ein ISO Zertifikat, was dem Unternehmen einen hervorragenden Qualitätsstandard zusprach. 1998 wird der Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (IGZ) gegründet.
Im Jahr 2000 gab es schließlich über 2.000 Niederlassungen in 14 Ländern. In diesem Jahr fusionierten die beiden Unternehmen Randstad Zeitarbeit und Time Power zu Randstad Deutschland. 2004 sorgte das geänderte Arbeitnehmerüberlassungsgesetz für frischen Wind in der Zeitarbeitsbranche – außerdem ging damit auch ein positiver Imagewandel einher. Ab sofort entfielen zeitliche Beschränkung der Überlassungsdauer, das Wiedereinstellungsverbot und das Synchronisationsverbot. Die Löhne der Zeitarbeitnehmer regeln seitdem flächendeckende Tarifverträge.
Zeit der Zusammenschlüsse
Im Jahr 2006 übernimmt Randstad die Unternehmen der Bindan Gruppe und schärft damit sein Leistungsprofil in Deutschland im Bereich höher qualifizierter Zeitarbeitnehmer. Im Jahr 2007 folgen das Zeitarbeitsunternehmen Team BS, das die Branchen Pharmazie, Chemie, Konsumgüter und Automotive zum Schwerpunkt hat. Vedior wurde in diesem Jahr eingegliedert, ein Unternehmen, das auf Fach- und Führungskräfte spezialisiert ist.
Die Zukunft
Randstad steht national an der Spitze – weltweit nimmt das Unternehmen den zweiten Platz ein. Rund 530 Niederlassungen in über 300 Städten hat Randstad im Bundesgebiet. Im Jahre 2007 erwirtschafteten über 2.000 interne Mitarbeiter sowie rund 60.000 überbetriebliche Mitarbeiter einen Umsatz von 1,62 Mrd. Euro. Zeitarbeit hat sich über die Jahrzehnte zu einer anerkannten Arbeitsform entwickelt und sich als gutes Instrument zur Planung in Unternehmen etabliert. Trotzdem ruhen die Mitarbeiter von Randstad sich nicht auf ihren Lorbeeren aus. In den nächsten Jahren steht vor allem das Feld der höher qualifizierten Zeitarbeitnehmer im Fokus des Unternehmens.
Fotos: Jörg Kubitza, Christian Protte, Randstad





