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„Ich bin überzeugt, dass ihr alle Talente seid“
Viele Hauptschüler treten heute ohne wirkliche Perspektive in ihr Berufsleben. Keine Chance auf dem Arbeitsmarkt – wozu also für den Schulabschluss büffeln? Randstad will mit dem CSR-Projekt für Haupt­schüler „Du bist ein Talent“ den jungen Leuten beweisen, dass es sich lohnt, an sich selbst zu glauben.

„Ich bin Eckard, 52 Jahre alt und mein Traumberuf ist Musiker“. Nach diesem Eröffnungssatz sind die Schülerinnen und Schüler der Klasse 9a der Gemeinschaftshauptschule Reutlinger Straße in Köln erst einmal ziemlich ruhig. Denn der das sagt, ist kein angehender Popstar, sondern Eckard Gatzke, Vorsitzender und Sprecher der Geschäftsführung von Randstad Deutschland. Die Verblüffung der jungen Leute dauert jedoch nicht lange. Schnell entwickelt sich mit dem Manager ein reges Gespräch über Berufswünsche und Träume, über Orientierungslosigkeit und Chancen.

Das klingt ungewöhnlich? Ist es aber nicht. Zumindest nicht im Projekt „Du bist ein Talent“. Bundesweit setzt Randstad in diesem Rahmen gemeinsam mit Schulen mehrere langjährige Patenschaften um, die die Jugendlichen auf ihrem Weg zur Berufswahl begleiten und sie besser auf den Arbeitsmarkt vorbereiten sollen. Vom siebten bis zum zehnten Schuljahr lernen sie dabei in speziellen Unterrichtseinheiten verschiedene Berufsbilder und Formen der Arbeit kennen. Dazu kommen Bewerbungstrainings, Betriebserkundungen, Kontakte zu Unternehmen und die Vermittlung von Praktikums- und Ausbildungsplätzen.


Foto: Randstad


Eckard Gatzke, Vorsitzender und Sprecher der Geschäftsführung von Randstad DeutschlandWer sich von den Schülerinnen und Schülern darüber hinaus noch freiwillig engagiert oder außerschulische Fähigkeiten nachweist, bekommt zusätzlich den Kompetenzpass, den er bei einer Bewerbung vorlegen kann und der die Einstellungschancen bei der Lehrstellensuche erhöht.

Die Lerneinheiten, zu denen auch ein Besuch der örtlichen Agentur für Arbeit und des Berufsinformationszentrums zählen, finden in einem zwei- bis dreimonatigen Rhythmus statt. Randstad bereitet die durchschnittlich 16 Lernmodule inhaltlich vor und stellt die nötigen Unterrichtsmaterialien bereit. Jede Schule hat dabei ihre festen Ansprechpartner und Projektpaten in den Führungskräften der jeweiligen Randstad Niederlassungen, die über die gesamte Zeit hinweg bei Fragen zur Verfügung stehen, wie zum Beispiel Dagmar Breul, Regional Key Account Manager in Köln.

Was wollt ihr die nächsten 50 Jahre machen?
Diesmal ist die Klasse aus der Gemeinschaftshauptschule Reutlinger Straße von Eckard Gatzke zur Betriebserkundung in das Kölner Randstad Cityhaus eingeladen worden. Für die Schülerinnen und Schüler eine willkommene Abwechslung und ein guter Anlass, sich vor Ort mit den Mitarbeitern zu unterhalten. Und alle stehen Rede und Antwort: ob Sekretärin, Hausmeister, Beauftragter für Human Resources oder Safety Manager. „Beeindruckend, wie viele Aufgaben und Berufe es in einem solchen Unternehmen gibt“, lautet anschließend das Fazit der Schüler und ihrer Klassenlehrerin Regina Bornemeier.

Im Mittelpunkt aber steht das Gespräch mit Eckard Gatzke: Schließlich haben die Schüler nicht alle Tage die Gelegenheit, sich mit dem Chef eines Großunternehmens zu unterhalten, der ein offenes Ohr für sie hat. Die Klasse ist gut vorbereitet. Mit selbst gestalteten Plakaten informiert sie den Gastgeber ihres ungewöhnlichen Ausflugs über andere Betriebserkundungen, die sie schon erlebt hat – etwa beim Kölner Stadtanzeiger. Ein anderes Highlight, so die Jugendlichen, war die Teilnahme an einem Berufsorientierungscamp. Denn immer wieder geht es auch bei diesem Gespräch um die alles entscheidende Frage: „Was will und was kann ich beruflich machen?“

Eckard Gatzke hat großes Verständnis für das Problem der jungen Leute, die richtige Entscheidung zu treffen. „Es ist nicht einfach, mit 14 zu wissen, was man die nächsten 50 Jahre machen will. Ich denke, es ist einfach wichtig, dass man etwas lernt und seine Chancen nutzt.“ Gatzke weiß, wovon er spricht, denn schließlich hat er selbst mit 15 Jahren eine Ausbildung zum Industriekaufmann begonnen und erinnert sich noch gut daran, welche Schwierigkeiten es ihm bereitet hat, einen passenden Ausbildungsberuf zu finden. Deshalb ermutigt er die 18 Schülerinnen und Schüler, ihre eigenen Talente zu entdecken und weiterzuentwickeln. „Selbstverantwortung, aber auch der Glaube an sich selbst, sind dabei die entscheidenden Fakten“, appelliert der Randstad Geschäftsführer an seine Besucher.

Auf die Frage eines Teilnehmers, warum sich das Zeitarbeitsunternehmen denn eigentlich so für die Schüler engagiert, antwortet er: „Wir haben eine gesellschaftliche Verantwortung und ich glaube, dass ihr alle Talente seid. Wir wollen sehen, was ihr daraus macht, und euch auf eurem Weg begleiten und unterstützen.“

CSR-Projekt – Du bist ein TalentFit für den Arbeitsmarkt
Diese Unterstützung können die Jugendlichen gut gebrauchen. Denn laut dem zweiten nationalen Bildungsbericht haben vier von zehn Hauptschulabgängern und Schulabbrechern in Deutschland auch zweieinhalb Jahre nach dem Verlassen der Schule noch immer keinen Ausbildungsplatz. Die Wirtschaft, so der Bericht, hält jeden Vierten eines Jahrganges für nicht ausbildungsfähig und macht dafür die Schulen verantwortlich. Schon jetzt ist von „Risikokindern“ und der „verlorenen Generation“ die Rede.

Vor diesem Hintergrund ist das Projekt „Du bist ein Talent“ ins Leben gerufen. Durch die Förderpatenschaften sollen die Abschlussquoten erhöht und die Berufsfähigkeit der Hauptschüler gesteigert werden – beides auch Ziele der aktuellen Bildungspolitik. Derzeit laufen insgesamt 13 Projekte in verschiedenen Bundesländern – etwa in Berlin mit der Greenwich-Oberschule, mit der Gustav-Sieber-Schule in Tamm bei Ludwigsburg, mit der Erich-Kästner-Schule in Augustdorf, mit der Lerchenrainschule in Stuttgart, mit der Haupt- und Realschule Allermöhe in Hamburg, mit der GHWS in Ravensburg und der Schule am Hölkeskampring in Herne.

Das Projekt kommt nicht nur bei den Schülern gut an, die – anders als häufig gewohnt – sich und ihre Träume ernst genommen fühlen. Auch die Schulen und Lehrer freuen sich über so viel Unterstützung. Schulleiter Klaus Brkitsch von der Gesamtschule Allermöhe in Hamburg: „Wir sind stolz, ein so vielsprechendes Projekt an unserer Schule zu haben und erhoffen uns in erster Linie, dass alle teilnehmenden Schüler mit ihrem Hauptschulabschluss in der Tasche dann auch einen Ausbildungsplatz bekommen.“

Wie schwer das ohne Unterstützung ist, wissen viele Lehrer sehr genau. Die Gemeinschaftshauptschule Reutlinger Straße in Köln zum Beispiel hat wie viele Einrichtungen dieser Art an den sozialen Brennpunkten einen Migrantenanteil von rund 90 % unter den Schulkindern. Viele stammen dazu noch aus einem als sozial schwach geltenden Milieu. „Gerade für diese Schülerinnen und Schüler ist es wichtig, sie über den normalen Unterricht hinaus zu fördern“, weiß die Klassenlehrer in der 9 a aus Erfahrung.

Gemeinsam mit den Paten von Randstad habe man inzwischen immerhin erreicht, dass die Jugendlichen bereits jetzt wissen, in welche Richtung sie beruflich gehen möchten. Regina Bornemeier: „Sie kennen ihre Stärken und Fähigkeiten besser und können sich selbst präsentieren.“ Und damit sind sie den Parallelklassen, die nicht am Programm teilnehmen, bereits einen großen Schritt voraus.

 

Eine Initiative der Randstad Stiftung
Vor dem Hintergrund des im Juni 2008 veröffentlichten „Zweiten Nationalen Bildungsberichts“ hat die Randstad Stiftung das Förderkonzept „Du bist ein Talent“ ins Leben gerufen, um Deutschlands Hauptschülerinnen und -schüler im Rahmen mehrjähriger Patenschaften fit für den Arbeitsmarkt zu machen. Durch die Hauptschulpatenschaften sollen die Abschlussquoten erhöht und die Berufsfähigkeit gesteigert werden – beides auch aktuelle Ziele der Bildungspolitik.

Weiterführende Informationen zum Projekt online unter
www.randstad-stiftung.de

2009-12

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