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Arbeitsbarometer: Die Zeit nach der Krise
Rund 800 Arbeitnehmer aus den Bereichen Dienstleistung, Handel, Produktion und Öffentlicher Dienst haben ihre Meinung gesagt: Dazu, wie sie die Wirtschaftskrise und deren Auswirkung auf ihre persönliche Zukunft einschätzen.

Wirtschaftskrise dauert nach Eintschätzung der Arbeitnehmer anDie deutschen Arbeitnehmer schauen optimistisch in die Zukunft – trotz gegenwärtig schlechter Wirtschaftslage. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Online-Befragung des „Randstad Arbeitsbarometers”. Danach ist fast die Hälfte der Befragten der Meinung, dass sich die wirtschaftliche Lage bis zum Sommer 2010 wieder verbessern wird. Bemerkenswert dabei: Frauen sehen pessimistischer in die Zukunft als Männer. Und: Die Mehrheit der Arbeitnehmer gibt auch weiterhin so viel Geld aus wie vor der Krise und sieht sich nicht gezwungen, zu sparen.

Für Stellenwechsel gerüstet
Im Falle eines Arbeitsplatzverlustes würden sich rund drei Viertel der Befragten sofort wieder um eine neue Stelle bewerben und Urlaub oder Erholung hintenan stellen. Schließlich hat auch rund die Hälfte der Umfrageteilnehmer im vergangenen Jahr den eigenen Lebenslauf geprüft und überarbeitet, wäre also nach eigener Einschätzung für einen Stellenwechsel gerüstet. Allerdings suchen nur sehr wenige von sich aus gerade jetzt eine neue Herausforderung.

Brachenwechsel ist nach Stellenverlust eine akzeptierte MöglichkeitWie sehen die Ergebnisse im Einzelnen aus? Blauäugig sind die Arbeitnehmer durchaus nicht: 13 % mehr als im Vorjahr – insgesamt 38 % – sagen, dass es ihrem Unternehmen wirtschaftlich schlechter geht. Aber auch mehr als 60 % schätzen die Lage ihres Arbeitgebers immer noch als „verhältnismäßig gut” ein. Frei nach dem Motto: „Es könnte noch schlimmer sein.”

Am stärksten spüren mit 67 % die Mitarbeiter aus der Industrie und der Produktion den negativen Einfluss der Wirtschaftslage, am wenigsten die Beschäftigten im Öffentlichen Dienst. Hier merken 38 % keine Veränderung. Selbst aber in dem am meisten betroffenen Bereich Industrie und Produktion halten nur ganze 10 % die Lage für „wirklich schlecht”.

Welche Maßnahmen haben die Unternehmen ergriffen, um mit der Krise umzugehen? Vor allem in der Industrie scheinen es in erster Linie kurzfristig wirkende Maßnahmen zu sein, auf die Firmen zurückgreifen. Zwei Drittel haben mit Kurzarbeit, Entlassungen, Zwangsurlaub oder Einstellungsstopp reagiert. Immerhin waren im August 2009 ein Fünftel der Beschäftigten schon in Kurzarbeit beschäftigt, 16 % rechneten noch für die Folgezeit damit. Handel und Dienstleistungen haben dagegen eher die Unternehmensstrategie gewechselt oder verändert, neue Kunden und Märkte akquiriert oder ihre Preise angepasst.

Anerkennung der Arbeitgeber gegenüber Mitarbeitern unverändettRealistische Einschätzung
Die Arbeitnehmer bleiben realistisch und rechnen Maßnahmen wie Kurzarbeit ihrem Unternehmen nicht negativ an. Dafür spricht auch, dass die meisten, rund 79 %, mit ihrem Arbeitgeber unverändert zufrieden bis sehr zufrieden sind. Unter denjenigen, die ihre Unzufriedenheit zu Protokoll gegeben haben, spielt vor allem ein Grund eine große Rolle: schlechte Bezahlung, gefolgt von zu hoher Arbeitsbelastung und Stress und schlechtem Betriebsklima.

Was erwarten die Befragten hinsichtlich der Dauer der Wirtschaftskrise? Die ganz große Mehrheit, genau 77 % der Befragten, rechnet für die nächsten Monate nicht mit Besserung, sondern glaubt, dass die Wirtschaftslage noch bis mindestens kommenden Sommer unverändert bleibt. Dabei sehen die Frauen die Lage deutlich pessimistischer als Männer. 40 % der Frauen, aber nur 29 % der Männer denken, dass sich die Krise hält oder sogar verschlimmert und die Umsätze der Unternehmen weiter zurückgehen werden. Bei der Einschätzung der Lage spielt offenbar auch der Bildungsabschluss eine große Rolle: Je niedriger der ist, umso pessimistischer wird die Situation eingeschätzt.

Die Kauflaune lassen sich die Arbeitnehmer, so scheint es, dadurch aber nicht verderben. Mehr als die Hälfte der Umfrageteilnehmer konsumiert in gleicher Höhe. Aber rund ein Drittel versucht nach eigenen Angaben, so viel wie möglich beiseite zu legen. Und auch hier gilt: Je höher der Bildungsabschluss, und damit Einkommen und Position, desto weniger sehen sich die Befragten gezwungen, zu sparen. Mitarbeiter in der Produktion, von der Krise stärker betroffen, reagieren eher zurückhaltend beim Kaufverhalten und sparen mehr.

Weder Bedrohung noch Chance
Damit stimmt überein, dass rund zwei Drittel der Arbeitnehmer die Krise für sich persönlich weder als große Chance noch als große Bedrohung ansehen, was die eigenen Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt betrifft. Aber auch hier: Männer sehen in der Krise doppelt so häufig eine Chance wie Frauen. Die generellen beruflichen Pläne und Ambitionen werden jedoch für die Umfrageteilnehmer derzeit nicht beeinflusst. Was die eigene Profilierung angeht, scheiden sich die Geister aber sehr wohl. Rund ein Drittel ist bemüht, dem Vorgesetzten zu demonstriereren, wie hart und ausdauernd sie arbeiten. Und 24 % arbeiten bewusst an der eigenen PR gegenüber dem Chef.

Arbeitnehmer bewerben sich nach Arbeitsplatzverlust sofort wiederÄndert das die Anerkennung der Unternehmenslenker gegenüber ihren Mitarbeitern? Wenn, dann ist dieses Gefühl dort noch nicht angekommen: 54 % haben das Gefühl, dass der Arbeitgeber nicht mehr oder weniger in sie investiert als vor der Krise. Immerhin 27 % finden, dass ihr Chef ihnen zu wenig Aufmerksamkeit zukommen lässt. Dabei gibt es so gut wie keine branchenspezifischen Unterschiede zwischen Industrie, Handel, Dienstleistungen oder dem Öffentlichen Dienst, aber auch keinen zwischen Männern und Frauen.

Was würden die Arbeitnehmer tun, wenn sie tatsächlich entlassen würden? Auf diese Frage haben drei Viertel eine klare Antwort: Sich sofort wieder bewerben. Danach denkt an Ausspannen und Erholung in einem solchen Ernstfall so gut wie niemand. Dafür eher an eine Weiterbildung, um die eigene Qualifikation zu verbessern und höhere Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu bekommen. 32 % der Befragten würden zum Beispiel „einen Lehrgang besuchen”. Als Vorbereitung auf den Ernstfall haben immerhin schon fast die Hälfte den Lebenslauf hervorgeholt und betrachtet. Ein weiteres Viertel hat aktiv Veränderungen daran vorgenommen. Dabei fällt auf, dass, je jünger die Beschäftigten sind, desto häufiger am Lebenslauf gearbeitet wurde. Obwohl aufgrund der größeren Berufserfahrung die Älteren eigentlich eher Grund zur Aktualisierung hätten.

Eine deutliche Antwort gab es auch auf die Frage, ob Arbeitnehmer bereit wären, auf Lohn oder Gehalt zu verzichten, wenn damit Entlassungen vermieden werden könnten. 40 % beantworten das ganz klar mit „nein”. Bei den über 45-Jährigen sind das sogar rund 50 %. Hoch ist dagegen die Bereitschaft, nach einem Jobverlust eine Tätigkeit auf niedrigerer Entlohnungsbasis anzunehmen. Zwei Drittel der Befragten wäre dazu bereit. Auch der Branchenwechsel ist für 80 % der Arbeitnehmer eine realistische Alternative nach einem Jobverlust.

 

Grafiken: Randstad

2009-12

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