6:50 Uhr – 7:00 Uhr
Oft treffe ich fünf Minuten vor Dienstbeginn am Arbeitsplatz ein. Zwar bin ich vom Naturell her eher jemand, der in der Früh schwer aus dem Bett kommt. Aber ich bin gerne überpünktlich, da ich auf diese Weise noch einmal ein bisschen Zeit für mich selbst habe, bevor die Arbeit anfängt. So bin ich nicht ganz in Gedanken, wenn ich durch die Tür komme.
7:00 Uhr – 8:00 Uhr
Meine Hauptaufgabe ist es, Konferenzräume passend zu den Veranstaltungen mit Tischen und Stühlen zu bestücken. Mein Kollege zeigt mir den ersten Auftragszettel: „10 Uhr, 40 Personen, 20 Tische, Anordnung parlamentarisch“. Wir tragen die Möbel herbei und richten sie wunschgemäß aus. Die meisten Leute sehen nicht, wie viel harte Arbeit hinter dem Aufstellen steckt. Meine Mitgliedschaft im Fitnessstudio habe ich jedenfalls gekündigt. Außerdem muss man gewissenhaft auf Details achten und ein gutes Auge haben. Im Team foppen wir uns gerne mal gegenseitig und behaupten, dieser oder jener Tisch müsse noch einen Millimeter weiter nach rechts oder links. Aber ich habe noch nie mit netteren Kollegen zusammengearbeitet. Überhaupt stehe ich hier ständig in Kontakt mit vielen verschiedenen Leuten, die alle sehr kommunikativ sind.
8:00 Uhr – 10:30 Uhr
Schwerstarbeit: Ein Seminar zum Thema „Planung und Organisation“ steht auf dem Programm. Die Dozentin kann sich jedoch einfach nicht entscheiden, wie sie die Tische und Stühle angeordnet haben möchte. Weiter oder enger? Zu den Fenstern hin oder besser zur Tür? Und wie viele Teilnehmer haben sich überhaupt angekündigt? Aber ich mag meine Tätigkeit. Wie es der Kunde will, so wird es auch gemacht. Zudem freut es mich, dass ich alles sofort beeinflussen kann und gleich das Ergebnis vor Augen habe. Und bei aller Liebe zur Genauigkeit: Wenn einmal ein Stuhl falsch steht, ist das oft schnell zu korrigieren. Anders als in der Buchhaltung eines Unternehmens, wo jemandem ein Komma verrutscht und die Firma hunderttausend Euro Verlust macht.
10:30 Uhr – 11:15 Uhr
Gerade betrete ich unseren letzten Raum. Da ich eine Halbtagsstelle habe und für mich in einer Dreiviertelstunde Dienstschluss ist, hänge ich mich noch mal richtig rein. Auf dem Whiteboard sehe ich noch die Worte eines vergangenen Seminars „Work-Life-Balance“ stehen. Das amüsiert mich ein bisschen. Früher war ich selbst im Vertrieb tätig – aber dann habe ich den Entschluss gefasst, kürzerzutreten. Ich arbeite hart und hänge mich rein. Trotzdem ist die Arbeit für mich letztlich nicht der Hauptbestandteil meines Lebens. Vorher habe ich mehr Geld verdient, hatte jedoch auch viel mehr Stress. In meinem neuen Job verdiene ich weniger, bin aber auch viel ausgeglichener und zufriedener. Und ich lerne, Kleinigkeiten und einfache Dinge zu schätzen. Zum Beispiel die Stille, den Wintermorgen, oder die frische Luft, wenn ich die Fenster aufreiße. Und es ist schön, wenn man Zeit und Arbeit immer wieder mal trennen kann.
Der Rest des Tages
Im Nebenberuf bin ich Fotograf. Als Erwerbsquelle fotografiere ich Hochzeiten www.derlitograph.de/hochzeit. Allerdings höchstens ein- oder zweimal im Monat. Denn dafür muss man sich Zeit nehmen. Um ein solches Ereignis schön in Szene zu setzen, sind Kreativität und künstlerisches Gespür gefragt. Sonst gehen einem irgendwann die Ideen aus – und ich will ja nicht zweimal das Gleiche machen. Überhaupt bin ich abseits von meiner Arbeit im Hotel am liebsten draußen und suche meine Motive in der Natur – im Wald, am Meer, im Urlaub.
Foto: Randstad





